Werkbericht

Der Künstler beugt sich in seinem Atelier über eine schon geschnittene Linolplatte

Kritisch prüft der Künstler in seinem Atelier die geschnittenen Linolplatten. Für jede Farbe muss ein eigener Druckstock hergestellt werden

Der Geruch von Terpentin. Von frisch geschnittenem Linoleum und der zäh sich ziehenden Farbe am Spachtel. Aus dem Radio: klassische Musik, begleitet vom leis schmatzenden Geräusch der auf und ab, hin und her rollenden Walze. Dann! Gespannte Stille! Jetzt werden die mühsam geschnittenen und mit Farbe versehenen Linolplatten gedruckt. Eine nach der anderen.

Zum Œuvre von Robert Förch zählen Holzschnitte, Radierungen, Lithografien, Gouachen, Zeichnungen und Prägedrucke. Doch keiner graphischen Technik widmete er sich über gut sechs Jahrzehnte so intensiv wie dem mehrfarbigen Linolschnitt. 320 Werke hat er in diesem – im Wortsinn handwerklichen – Hochdruckverfahren erschaffen, wobei es von jedem Linolschnitt mehrere farblich und atmosphärisch voneinander abweichende Varianten gibt.

Langwierig ist der Schaffensprozess der Linolschnitt-Drucktechnik, die ihm sein Professor Karl Rössing nahebrachte. Zeitgleich mit Willi Baumeister lehrte dieser an der Stuttgarter Kunstakademie, zu einer Zeit, als das Abstrakte das Gegenständliche zu verdrängen drohte. Wären da nicht Rössing und seine Schüler gewesen. Einer davon, Robert Förch, fand in den von Menschenhand geprägten Kulturlandschaften schon bald das bestimmende Thema seiner Kunst und damit seine eigene Bildsprache. Diese brachte er mit erstaunlichem Beharrungsvermögen zur Perfektion.

Förchs Linolschnitten ist eine fast malerische Wirkung eigen. Ausgehend von Skizzen, auf deren Basis eine größere Werkzeichnung entsteht, wird in aller Regel für jede Farbe eine eigene Platte bearbeitet. So sind meist vier oder fünf, seltener bis zu acht Druckstöcke zu schneiden. Nach dem Farbauftrag wird jede Platte einzeln auf das Papier gelegt und sodann gewendet. Durch den Druck von Handballen, Fingerkuppen und Daumennagel wird die Farbe regelrecht auf das Papier gerieben. Da bei diesem Vorgang nur die Rückseite des Blatts, nicht aber das Motiv zu sehen ist, geschieht dies quasi ohne optische Kontrolle.